Schule deine Farbwahrnehmung mit der Augenübung „Blau-Baden“

In Modul 6 unseres 8-Wochenprogramm widmen wir uns den Farben und Formen, machen Übungen zur Stärkung deines Farbsinns. Hier stelle ich dir die Augenübung Blau-Baden vor.

Das erwartet dich:

Du kannst eine erstaunliche Fähigkeit deines Sehsinns kennenlernen: die Nachbildfarben-Produktion. Das heißt, dein visuelles Gehirn produziert in Reaktion auf außen gesehene Farben innere Farben – die Nachbildfarben. Sie können von großer Brillanz und Schönheit sein.

Der Vorgang

  • belebt den Stoffwechsel deiner Netzhaut
  • stärkt deine Sehkraft
  • kann möglichen Netzhautproblemen wie der Makuladedegeneration vorbeugen.

„Durch die Übungen, ein Bewusstmachen dieser Fähigkeit, steigerst und verfeinerst du deine Farbwahrnehmung.Von diesem Vorgang war schon Johann Wolfgang von Goethe so fasziniert, dass er vom Auge als einem sonnenhaft strahlenden Organ sprach und eine eigene Ansicht zum Wesen der Farben verfasste.“ Wolfgang Hätscher Rosenbauer 

Wir versprechen dir: Entspannung. Nicole Werner-Hufsky, Carsten Köhler und ich, Tanja Walter, sind Sehpädagogen bzw. -pädagoginnen. Mit unserem 8-Wochen-Programm in der Sehschule Tigerauge geben wir dir Hilfe zur Selbsthilfe. Wir bieten weder therapeutische oder medizinische Beratung. Dazu frage bitte deine ÄrztInnen oder ApothekerInnen.

 

So bereitest du dich aufs Blau-Baden vor

Du brauchst:

Was noch?

  1. Deine Brille darfst du ablegen. Nimm, falls du welche trägst, deine Kontaktlinsen heraus.
  2. Sei barfuss oder in Socken – wegen des Kontakts zum Boden
  3. Stell dir etwas zu trinken bereit, Wasser oder Tee.

 

Die Übung Blau-Baden für nachmittags/abends

Blau-Baden ist eine farbtherapeutische Übung zur Augenstärkung. Ich entnehme sie einem Übungsbuch von  Wolfgang Hätscher-Rosenbauer , der angibt, sie basiere auf einer Anregung von Rudolf Steiner (1861-1925), dem Begründer der Anthroposophie, der sie wiederum aus Goethes Farbenlehre übernommen habe. Demnach soll man:

„zur Kräftigung der Augen einmal täglich morgens eine rote Farbfläche intensiv anschauen: Rot rege die Durchblutung an. Und nachmittags oder abends eine blaue Fläche: Blau fördere die Entschlackung“ 

Wir üben mit den beiden Sehtafeln aus dem Anhang (siehe pdf oben) – oder dem Objekt, dass du dir inzwischen in deiner Wohnung in der Farbe blau gesucht hast.

So übst du das „Blau-Baden“ am Abend

  1. Lege die blaue Tafel vor dich oder deinen eigenen Gegenstand in  blau
  2. Setze oder stelle dich bequem aufrecht und blicke entspannt und in Leseentfernung oder etwas näher in die blaue Fläche. Diese muss nicht scharf zu sehen sein. Es ist sogar von Vorteil, wenn sie etwas verschwommen erscheint.
    • Einatmen: Augen weit auf wie beim Staunen, als ob du die Farbe durch die Augen in alle Sehzellen hineinatmen möchtest.
    • Ausatmen: Alles, was du loslassen möchtest (Anspannung, Müdigkeit, Erschöpfung…), lässt du in die blaue Fläche hineinziehen, als wäre diese eine Wasserfläche oder ein Brunnenschacht oder das Meer.
    • Übe so einige Atemzüge lang,  ca 8 AZ.

3. Dann blickst du auf die leere graue Fläche: Erscheint ein farbiges Nachleuchten in der gleichen Form, rötlich oder rotgelb?

4. Nun schirmst du deine Augen in einer bequemen Position (ggf. auch in Rückenlage) ab und nimmst wahr, ob in der Dunkelheit noch farbige Nachbilder erscheinen, bis diese in einer absoluten Schwärze verschwinden. Das kann manchmal zwei bis drei Minuten dauern. Das ist das Palmieren!

5. Blicke anschließend im Raum umher: Wie selten oder häufig und in wie vielen Nuancen ist die Farbe Blau dort vorhanden? 

 

 „Rot-Baden“ am Morgen

Beginne mit »therapeutischem Gähnen, Räkeln und Strecken«, um Spannung im Körper, insbesondere im Nacken, im Kiefer und in den Augen zu lösen.

Halte die Tafel mit dem roten Quadrat (siehe pdf oben) im bequemen Leseabstand (oder etwas näher) vor dich. Blicke ohne Sehhilfe entspannt in die rote Fläche. Dann weiter wie oben beim Blau-Baden.

 

Zum Unterschied von Blauem Licht und Baden in der Farbe Blau

Zuletzt hat Tom in einem Kursus die Frage gestellt, welchen Unterschied es macht, ob ich ein blaues Licht schaue oder in der Farbe Blau bade. Da wir beim Blau Baden unsere Farbwahrnehmung schulen, eignet sich meiner Meinung nach die folgende Unterscheidung zwischen Lichtfarben und Körperfarben.

A) Lichtfarben wie Blaues Licht wirken auf die Biologie des Menschen. Möglicherweise strahlt der Bildschirm, den du gerade nutzt, blaues Licht aus! Lichtfarben leuchten selbst. Diesen Artikel finde ich zielführend:

https://www.lia.nrw.de/themengebiete/gesundheitsrisiken/physikalische_einwirkungen/Biologische-Wirkung-von-Licht/index.html

B) Körperfarben, wie die Farbe Blau eine ist, wenn wir von einer blauen Tasse, einer blauen Socke, einem blauen Handtuch, einer blauen Lampe, einem blauen Aktenordner und so weiter sprechen. Körperfarben werden beleuchtet, sie leuchten nicht selbst. Hier geht es um die Farbpsychologie, also dass Farbe – wie andere Eindrücke auch – auf die Psyche wirkt. Dabei kann es kulturelle Gemeinsamkeiten durch Tradition und Erziehung, aber auch individuelle Unterschiede in der Wirkung geben.

Siehe allgemein zu Farbe:

https://de.wikipedia.org/wiki/Farbe#Psychische_Wirkung_von_Farben_und_Farbnamen

Siehe auch folgenden  kurzen Fokus-Artikel zur Farbe Blau, den ich wegen der Kunst ausgewählt habe:

https://praxistipps.focus.de/blau-bedeutung-in-kunst-und-psychologie_110323

 

*Zur Quellenlage unseres Blau-Badens: Die Übung  habe ich Wolfgang Hätscher-Rosenbauer „abgeguckt“, der sich auf eine Anregung von Rudolph-Steinerner bezieht, der sie wiederum Goethes Farbenlehre entnommen haben soll.

Viel Spaß beim Ausprobieren mit deinen Körperfarben!